j e n s e i t s d e s l ä r m s
20 juni 2026                                                                                                                             mainz, de
die natur, lange spaziergänge, yoga, journaling und ruhige momente begleiten mich schon seit vielen jahren. und trotzdem merke ich heute rückblickend, dass es noch viele bereiche in meinem leben gab, in denen es mir schwerfiel, wirklich langsamer zu werden und stille zuzulassen.

dieses muster zeigte sich auf ganz unterschiedliche weise.

beim sport ging es für mich oft um leistung. beim laufen oder radfahren standen strecke, tempo, verbrannte kalorien oder das erreichen eines ziels im vordergrund, anstatt wirklich auf meinen körper zu hören.
selbst im yoga habe ich die bedeutung von stille anfangs nicht verstanden. savasana, die abschließende entspannung, habe ich unterschätzt und langsamere praktiken wie yin yoga fand ich eher langweilig. ich wusste damals noch nicht, wie sehr ich weichheit, ruhe und grounding gebraucht habe.
und meditation? länger als fünf minuten still zu sitzen und einfach nur mich selbst zu beobachten, schien damals fast unmöglich.

mit der zeit habe ich verstanden, dass langsamer zu werden nicht nur bedeutet, sich weniger zu bewegen. es bedeutet, sich selbst genug raum zu geben, um wirklich wahrzunehmen, was längst da ist.

meine reisen haben dieses verständnis noch einmal vertieft. zum ersten mal seit langer zeit hatte ich einfach raum. raum ohne routinen, verantwortung, erwartungen oder ständige ablenkung. und genau in diesem raum begann ich dinge wahrzunehmen, an denen ich vorher einfach vorbeigelaufen war. gefühle, von denen ich dachte, sie längst verarbeitet zu haben, schmerz, von dem ich nicht wusste, dass ich ihn noch in mir trage, aber auch dankbarkeit, liebe, mitgefühl und eine tiefere verbindung zum leben selbst.

seitdem sind meditation und bewusste momente der stille zu einem festen teil meines lebens geworden. nicht, weil sie das leben leiser machen, sondern weil sie mir helfen zu hören, was längst da ist. sie erinnern mich daran, zuzuhören, zu fühlen, mir zeit zu geben und all das zu integrieren, was das leben mit sich bringt. denn ich habe gelernt, dass es keine gefühle gibt, vor denen wir weglaufen müssen und oft wartet unter all dem lärm und der ständigen ablenkung etwas überraschend einfaches auf uns:

klarheit, präsenz und eine noch tiefere wertschätzung dafür, am leben zu sein.