d e r k a s t a n i e n b a u m
23 februar 2026 amed, bali
als ich noch in meinem elternhaus wohnte, stand lange zeit eine große kastanie in unserem garten. ein alter, wunderschöner baum, dessen krone über die jahre immer größer wurde, bis ihr schatten fast den ganzen rasen bedeckte.
ich habe mich diesem baum als kind tief verbunden gefühlt. bis heute taucht er immer wieder in meinen meditationen oder in momenten auf, in denen ich mich mit meinem inneren kind verbinde. vielleicht schreibe ich deshalb immer wieder über ihn. irgendwie ist diese kastanie zu einer meiner größten inspirationen geworden und erinnert mich daran, wie prägend die natur sein kann und was für eine besondere lehrerin sie ist.
fast jeden tag bin ich auf diesen baum geklettert oder habe ihn von meinem kinderzimmer aus beobachtet.
es gab einen ast, der dem boden am nächsten war. dort begann ich jedes mal. ich hielt mich mit beiden armen fest, zog mich wie ein kleiner affe nach oben, schlang meine beine um den ast und setzte mich. von dort aus konnte ich die höheren äste erreichen und sobald ich dort oben saß und auf den garten hinunterblickte, sah alles plötzlich ganz anders aus.
meine perspektive veränderte sich innerhalb weniger sekunden. dort oben fühlte ich mich immer ein kleines bisschen freier. ein kleines bisschen lebendiger. und vor allem mehr mit mir selbst verbunden.
vielleicht taucht dieser baum deshalb bis heute so oft in meinen gedanken auf. dieser baum war für mich einer der sichersten orte der welt. manchmal vermisse ich ihn noch heute.
und trotzdem spüre ich diese verbindung noch immer. jedes mal, wenn ich einen baum betrachte oder über seine rinde streiche, fühle ich mich der natur wieder ein stück näher. den geräuschen, der ruhe und all dem, woran sie mich in diesem moment erinnern möchte. als würde dort noch immer ein kleiner teil meiner kindheit weiterleben.
die natur erinnert mich immer wieder daran, dass sich das leben ständig verändert und gleichzeitig tief verwurzelt sein kann. dass wir wachsen, loslassen, neue wege einschlagen, auseinanderfallen und wieder aufblühen dürfen, ohne die verbindung zu dem boden unter unseren füßen zu verlieren.
vielleicht fühlt sich die natur genau deshalb bis heute so vertraut für mich an. weil sie mich an das kleine mädchen erinnert, das in der kastanie saß, die welt von oben beobachtete und sich mit allem um sich herum verbunden fühlte.
die natur lehrt so viel, ohne jemals ein wort zu sagen.
die bäume erinnern mich daran, dass wachstum langsam geschieht und seine ganz eigene zeit braucht. der wind erinnert mich daran, dass das leben ständig in bewegung ist. das meer zeigt mir, dass stille und wildheit gleichzeitig existieren können. und der mond erinnert mich daran, dass das leben in zyklen verläuft und wir immer wieder neu beginnen dürfen.
vielleicht fühlt sich die natur deshalb für mich wie die reinste form der verbindung zu mir selbst an.
denn jedes mal, wenn ich langsam genug werde, um sie wirklich wahrzunehmen, fühle ich mich gleichzeitig lebendig, ruhig und zutiefst mit dem leben verbunden.