f r e i h e i t f i n d e n
01 november 2025                                                                                                              kuta, lombok
in den ersten wochen meiner reise trug ich viele kleine ängste in mir, die mein gefühl von freiheit ganz unbemerkt eingeschränkt haben.

eine davon war die angst, alleine roller zu fahren.

eigentlich war das ziemlich verrückt, denn während meiner zeit in freiburg hatte ich selbst jahrelang einen roller. doch gleich am ersten tag, nachdem ich ihn gekauft hatte, hatte ich einen unfall. und irgendwie blieb dieser schreck seitdem tief in mir.

wenn du schon einmal roller gefahren bist, dann weißt du wahrscheinlich, wie frei man sich fühlen kann.

doch in den ersten wochen meiner reise konnte ich genau diese freiheit überhaupt nicht spüren.

stattdessen lief ich überall zu fuß hin. durch die brennende sonne, mit schweiß am ganzen körper, bellenden hunden hinter mir und ständig darauf angewiesen, weite strecken zu laufen oder jemanden zu finden, der mich fährt.

ich hatte das gefühl, die orte um mich herum gar nicht richtig entdecken zu können und jeden einzelnen tag stellte ich mir dieselbe frage:
mache ich es heute endlich?
oder lieber doch nicht?
wenn ich ehrlich bin, hatte ich einfach angst.

ein paar wochen später zog ich für meine yoga-ausbildung von bali nach lombok. dort lernte ich einige der herzlichsten menschen kennen. eine davon war meine mittlerweile sehr gute freundin isi.

interessanterweise hatte auch sie lange angst davor, roller zu fahren. trotzdem entschied sie sich irgendwann, sich dieser angst zu stellen, weil sie wusste, wie viel freiheit auf der anderen seite auf sie wartete.

eines tages fragte ich sie, ob sie mir helfen würde, mich meiner eigenen angst zu stellen. wir mieteten zwei roller und fuhren gemeinsam zu einem ort, an dem wir den sonnenuntergang anschauen wollten und oh mein gott.

ich erinnere mich noch so genau an dieses gefühl, der wind auf meiner haut, der sonnenuntergang vor mir und dieses unbeschreibliche gefühl von freiheit.

plötzlich wurde mir bewusst, dass ich genau das tat, wovor ich so lange angst gehabt hatte.

ich weiß noch, wie ich während der fahrt laut auf meinem roller geschrien habe, weil ich so stolz auf mich war, so glücklich und so lebendig.

seit diesem tag bin ich während meiner reise durch indonesien fast jeden tag roller gefahren.

und manchmal denke ich noch immer an diese fahrt bei sonnenuntergang zurück.

nicht wegen des rollers.

sondern weil sie mich daran erinnert, wie sehr sich das leben öffnen kann, wenn wir aufhören, vor unseren ängsten stehen zu bleiben und stattdessen langsam beginnen, durch sie hindurchzugehen.