m i r s e l b s t v e r t r a u e n
19 märz 2026                                                                                                         pokhara, nepal
mir selbst zu vertrauen ist ein langer prozess. und eigentlich ist das verrückt, wenn man einmal darüber nachdenkt.

wir vertrauen fremden menschen, ärzten, pilotinnen und piloten, zugführerinnen und zugführern, menschen auf märkten oder sogar irgendwelchen kosmetikprodukten und schaukeln mitten im nirgendwo. aber warum fällt es uns oft so schwer, uns selbst zu vertrauen? unseren entscheidungen, unserer intuition, unseren gefühlen oder sogar den signalen unseres eigenen körpers?

mir selbst zu vertrauen ist etwas, das ich bis heute lerne. jeden einzelnen tag. ich schreibe es in mein journal, klebe kleine zettel an meinen spiegel und erinnere mich immer wieder daran:
ich bin offen für neue erfahrungen.
ich vertraue meinem weg.
ich vertraue meinen entscheidungen.
ich vertraue dem fluss des lebens.
ich vertraue dem unbekannten.

lange zeit habe ich antworten fast immer im außen gesucht. selbst bei den kleinsten dingen. wenn mich jemand gefragt hat, was ich auf mein brot möchte, habe ich oft geantwortet: „ich weiß nicht, was nimmst du denn?“ obwohl ich die antwort eigentlich längst wusste.

vielleicht beginnt vertrauen mit einer einzigen entscheidung. einer entscheidung, die tief aus dem inneren kommt. einem moment, in dem man einfach weiß, dass das eigene gefühl wahr ist auch wenn andere es vielleicht nicht verstehen.

genau so einen moment hatte ich im märz 2025.

ich war gerade aus thailand nach deutschland zurückgekehrt. eines morgens saß ich mit einer tasse kaffee in der küche und schaute aus dem fenster. plötzlich stieg ein gefühl in mir auf, das ich in dieser klarheit noch nie zuvor gespürt hatte. oder vielleicht war es schon die ganze zeit da gewesen und ich hatte es nur sehr lange ignoriert.

es war eine ganz besondere mischung aus gefühlen. auf der einen seite zog sich alles in mir zusammen. ich war nervös, hatte angst und fühlte mich überfordert. gleichzeitig war da aber eine so große freude, dass ich sie kaum beschreiben konnte und unter all dem lag eine tiefe ruhe.

eine klarheit und gewissheit, wie ich sie lange nicht mehr gespürt hatte. zum ersten mal wusste ich ganz genau, was ich tun musste.

ich wusste, dass ich meine promotion beenden würde. dass ich so viel malen wollte wie möglich. dass ich reisen würde. dass ich meine yoga-ausbildung machen wollte. und dass ich diesen weg alleine gehen musste, weil es wirklich mein eigener traum war.

damals war ich mitten im zweiten jahr meiner promotion. von außen sah alles richtig aus. es sah gut im lebenslauf aus, passte zu den vorstellungen vieler menschen und entsprach dem bild eines erfolgreichen lebens. und ja, ein teil von mir war stolz darauf, dass andere mich für klug hielten.

aber tief in mir fühlte ich mich nicht wie ich selbst.
ich fühlte mich nicht frei.
ich fühlte mich nicht verbunden.
ich fühlte mich nicht lebendig.
ich hatte das gefühl, meiner kreativität, meiner feinfühligkeit und meiner eigentlichen natur keinen raum mehr zu geben.
stattdessen entfernte ich mich immer weiter von mir selbst.

und trotzdem saß ich an diesem morgen mit meinem kaffee in der küche und wusste plötzlich ganz klar:
das ist meine entscheidung.
auch wenn sie mir angst macht. auch wenn sie mein ganzes leben verändern wird. auch wenn andere sie vielleicht niemals verstehen werden.

und seit diesem morgen habe ich diese entscheidung nicht einen einzigen moment bereut.

der weg seitdem war offen, ungewiss, chaotisch und voller unbekannter momente. ich bin auf zweifel, unverständnis und viele meinungen anderer gestoßen. gleichzeitig habe ich mich noch nie so verbunden, frei, lebendig und im vertrauen mit mir selbst gefühlt wie heute.

und immer dann, wenn gedanken auftauchen wie:
„vielleicht weiß jemand anderes es besser.“
oder
„vielleicht sollte ich mir selbst nicht vertrauen.“
denke ich an genau diesen morgen zurück.
denn er erinnert mich daran, dass wir manchmal längst wissen, was richtig für uns ist, lange bevor wir bereit sind, wirklich darauf zu hören.