w i e d e r k r e a t i v
02 april 2026 dharamsala, indien
als kind habe ich es geliebt, frei zu malen, ohne darüber nachzudenken, wie etwas aussehen sollte. ich erinnere mich daran, wie ich meine spielsachen, gesichter, körper, kleider und kleine fantasiewelten aufs papier gebracht habe. wenn ich heute darüber nachdenke, hat es mir sogar mehr freude gemacht, sie zu malen, als anschließend mit ihnen zu spielen.
und vielleicht ist genau das das schöne daran, wie kinder kreativ sind. wie frei sie erschaffen. wie selbstverständlich sie ihre innere welt ausdrücken, weil ihr kopf noch nicht so laut ist wie der eines erwachsenen.
sie überlegen nicht, ob etwas gut oder schlecht ist, sondern drücken einfach aus, was in ihnen lebt.
je älter ich wurde, desto mehr verlor ich diese intuitive verbindung zur kreativität. besonders durch die schule, in der wir oft nicht lernen, frei zu erschaffen, sondern anleitungen, regeln und erwartungen zu folgen. plötzlich wurde kreativität zu etwas, das bewertet, verglichen und perfektioniert wurde. ich erinnere mich daran, dass ich irgendwann dachte, ich könne gar nicht richtig malen, weil meine bilder anders aussahen als die der anderen. dabei ist genau das das schöne am kreativen ausdruck. ohne es wirklich zu bemerken, entfernte ich mich immer weiter von etwas, das sich früher vollkommen natürlich angefühlt hatte.
lange zeit zeigte sich meine kreativität nur noch in kleinen skizzen zwischen meinen vorlesungsnotizen oder auf den seiten meiner journals. erst viele jahre später, während der corona-zeit, als ich in einer wg in freiburg lebte, fand ich langsam wieder zurück zum malen. ich begann, nackte körper, abstrakte gesichter, emotionen und formen zu zeichnen und während ich malte, wurde mir bewusst, wie sehr mir dieses gefühl gefehlt hatte: das gefühl, die zeit zu vergessen, das gefühl, innerlich ganz ruhig zu werden und das gefühl, einfach auszudrücken, anstatt ständig nachzudenken.
lange träumte ich davon, frei auf großen leinwänden zu malen. ohne plan. ohne regeln. ohne eine bestimmte technik oder ein fertiges bild im kopf.
doch zuerst war da immer die angst.
was, wenn es nicht schön aussieht?
was, wenn ich nicht talentiert genug bin?
was, wenn ich gar nicht weiß, was ich tue?
und dann sagte etwas tief in mir, ganz leise:fang einfach an. also ging ich am ersten januar 2025 in ein kunstgeschäft, kaufte meine erste leinwand und begann zu malen, ohne lange nachzudenken. so entstand creative explosion. und sofort fühlte sich etwas richtig an.
seitdem ist das malen für mich zu einer form der meditation geworden. zu einem raum, in dem ich die zeit vergesse und vollkommen im moment aufgehe. einem raum, in dem ich emotionen ausdrücke, erlebnisse verarbeite, energie fließen lasse und mich mit den teilen von mir verbinde, für die worte oft nicht ausreichen.
was ich am abstrakten malen am meisten liebe, ist, dass es kein richtig oder falsch gibt. keinen klaren anfang und kein eindeutiges ende. keine feste perspektive.
jeder mensch sieht etwas anderes im selben gemälde.
und vielleicht mussten wir kreativität nie lernen, vielleicht war sie auch nie verschwunden, denn vielleicht hat sie einfach nur darauf gewartet, dass wir zu ihr zurückfinden.