i m k ö r p e r w o h n e n
22 märz 2026 rishikesh, indien
wie mein körper aussieht. wie viel ich wiege. wie ich abnehmen kann. wie ich muskeln aufbaue. kalorien zählen. ein schlechtes gewissen nach bestimmten lebensmitteln. andere ganz vermeiden. zu wenig essen. zu viel essen.
all diese gedanken haben mich über viele jahre begleitet und vielleicht werden sie mich in irgendeiner form auch immer begleiten.
lange zeit habe ich meinen körper wie ein projekt betrachtet. etwas, das ich verbessern, optimieren, verändern, kontrollieren und perfektionieren musste.
ich dachte, dass das glück irgendwann kommt. wenn ich nur auf der waage eine bestimmte zahl sehe. wenn ich endlich so aussehe, wie ich glaube aussehen zu müssen. wenn ich disziplinierter bin. selbstbewusster. einfach mehr genug.
doch die ziellinie hat sich immer weiter verschoben.
dieser text gehört wahrscheinlich zu den schwierigsten, die ich bisher geschrieben habe. und vielleicht auch zu den verletzlichsten. denn rational wusste ich immer, dass ich schön bin. unabhängig davon, wie mein körper aussieht. ich wusste, wie dankbar ich für einen gesunden körper sein kann, der mich jeden einzelnen tag durchs leben trägt und trotzdem war da immer diese eine stimme.
eine leise stimme im hintergrund, die verglichen, kritisiert und dinge gesagt hat, die ich eigentlich gar nicht hören wollte. vielleicht kam sie aus unserer gesellschaft. aus den bildern davon, wie eine frau auszusehen hat. aus werbung, sozialen medien, gesprächen, erwartungen und all den dingen, die wir über viele jahre verinnerlichen.
woher sie auch kam, ich war die einzige person, die die beziehung zu dieser stimme verändern konnte und irgendwie ist genau das das verrückte. ich finde frauen in den unterschiedlichsten körpern wunderschön. ich sehe ihre einzigartigkeit, ihre weichheit, ihre stärke und ihre schönheit. doch mir selbst dieselbe freundlichkeit entgegenzubringen fiel mir oft viel schwerer.
mit der zeit begann ich mich zu fragen: warum erlaube ich meiner inneren welt, sich ständig zu verändern, habe aber so große schwierigkeiten damit, dass sich auch mein körper verändern darf? warum kann ich akzeptieren, dass das leben in zyklen verläuft, dass sich jahreszeiten verändern, emotionen kommen und gehen und menschen sich weiterentwickeln, erwarte aber gleichzeitig, dass mein körper für immer derselbe bleibt?
körper verändern sich. und vielleicht ist genau das etwas wunderschönes. sie reagieren auf stress, freude, trauer, heilung, bewegung, ruhe, neue erfahrungen und die unterschiedlichen abschnitte unseres lebens. genauso wie unsere innere welt.
das eigentliche ziel sollte nie sein, meinen körper ständig verbessern zu müssen. es geht vielmehr darum, eine beziehung zu ihm aufzubauen.
ihm zuzuhören, anstatt ihn kontrollieren zu wollen.
ihn zu nähren, anstatt ihn zu bestrafen.
ihn wertzuschätzen, anstatt ihn ständig zu kritisieren.
langsam aufzuhören, meinen körper als projekt zu sehen.
und stattdessen zu erkennen, dass er mein zuhause ist.