o r t e d i e u n s r u f e n
22 april 2026                                                                                                           ahanghama, sri lanka
ist es nicht faszinierend, wie manche orte uns so tief berühren, obwohl wir noch nie dort waren? als würden sie uns rufen. als wollten sie, dass wir sie sehen, fühlen und erleben.

vielleicht wartet dort eine erfahrung auf uns. vielleicht ein mensch, der unser leben verändert. oder vielleicht müssen wir einfach für eine weile an einem anderen ort sein, um das leben aus einer neuen perspektive zu sehen, etwas über uns selbst zu lernen oder wieder mit einem teil von uns in verbindung zu kommen. und irgendwie wissen wir tief in uns längst, dass wir dorthin gehen müssen.

ich habe solche rufe schon mehrmals in meinem leben gespürt und mit der zeit gelernt, wie wichtig es ist, ihnen zu folgen. denn sie werden selten leiser. im gegenteil. je länger wir sie ignorieren, desto deutlicher werden sie, bis irgendwann nur noch der erste schritt bleibt, ihnen zu folgen und dem zu vertrauen, was kommt.

zwei dieser rufe haben mich besonders begleitet: indien und eine vipassana-meditation.

indien hat mich viele jahre lang gerufen. immer wieder, an den unterschiedlichsten orten. fast so, als hätte es mich beobachtet und immer wieder zu sich eingeladen.
mich faszinierten die kultur, die spiritualität, die gegensätze und die intensität des lebens. gleichzeitig hatte ich lange angst, alleine dorthin zu reisen. ich hatte so viele meinungen und geschichten darüber gehört, wie schwierig es als alleinreisende frau sein soll, dass sie irgendwann auch teil meiner eigenen gedanken wurden.
doch der ruf blieb, lauter denn je.
als er schließlich nicht mehr zu ignorieren war, buchte ich mir von nepal aus ein visum für ein jahr und einen flug nach indien. und ich wusste mit jeder faser meines körpers, dass es richtig war.
in dem moment als ich schließlich ankam, verliebte ich mich in dieses land.
indien wurde zu einem der inspirierendsten, emotionalsten und magischsten orte, die ich bisher erleben durfte. ein ort, zu dem ich eines tages unbedingt zurückkehren möchte.

es hat mich wieder daran erinnert, wie wichtig es ist, dinge selbst zu erfahren, anstatt sie durch die erfahrungen oder meinungen anderer zu betrachten.
treffe keine annahmen. weder über menschen noch über orte, solange du sie nicht selbst erfahren hast.


der ruf zur vipassana war ganz anders.

durch die menschen, denen ich auf meinen reisen begegnet bin, wurde meine neugier auf meditation, achtsamkeit und die eigene innenwelt immer größer. damit wuchs auch meine neugier auf eine vipassana. anfangs dachte ich, ich würde sie erst irgendwann machen. doch eines tages wusste ich einfach: ich werde eine vipassana machen, und zwar so schnell wie möglich.

eine vipassana ist ein meditationsretreat in völliger stille. etwa zwölf tage lang verzichtet man auf gespräche, ablenkung und äußere reize und richtet die aufmerksamkeit ganz nach innen.

man beobachtet gedanken, gefühle und körperempfindungen, ohne sie festhalten oder wegschieben zu wollen. man lernt, sowohl angenehme als auch unangenehme erfahrungen wahrzunehmen, ohne sofort darauf zu reagieren, und erkennt, dass alles im leben kommt und wieder geht.

und irgendwie hatte ich das gefühl, dass diese erfahrung schon lange auf mich gewartet hatte, lange bevor ich verstanden habe, warum.

solche inneren rufe können ganz unterschiedlich aussehen.

manchmal erzählt jemand von einem ort und plötzlich begegnet er einem überall. manchmal begleitet einen ein traum über jahre hinweg. und manchmal wacht man morgens einfach auf und weiß, dass der moment gekommen ist. es fühlt sich an wie eine sehnsucht. wie ein leises inneres wissen. wie etwas, das sich nicht logisch erklären lässt und sich trotzdem vollkommen wahr anfühlt. vielleicht ist genau das das faszinierende daran.

fast so, als würden manche orte uns schon kennen, bevor wir dort ankommen.

als wären manche orte und erfahrungen dazu bestimmt, uns zu verändern, lange bevor wir verstehen, wie oder warum.