e i n s a m k e i t
10 juni 2026 frankfurt, de
eine der schönsten erkenntnisse der letzten jahre ist für mich, wie sehr ich es eigentlich liebe, zeit mit mir selbst zu verbringen. allein zu sein, ohne einsam zu sein.
lange zeit dachte ich, dass etwas daran nicht stimmt.
ich habe menschen und verbindungen schon immer von herzen geliebt. ich habe beziehungen, nähe, gemeinsame erlebnisse und das gefühl geliebt, jemanden an meiner seite zu haben. doch irgendwo auf meinem weg habe ich vergessen, wie gerne ich eigentlich auch mit mir selbst bin. wahrscheinlich, weil ich lange zeit gar nicht wirklich ich selbst war.
als kind habe ich stundenlang alleine verbracht und mich dabei nie einsam gefühlt. ich habe mich frei gefühlt. ich hatte einen ganzen tag für mich, den ich so gestalten konnte, wie ich wollte. und genau das fand ich wunderschön.
mit den jahren entfernte ich mich immer mehr von diesem teil in mir. das leben wurde lauter. beziehungen wurden wichtiger. die bedürfnisse anderer menschen wurden wichtiger. ich passte mich mehr an und verlor immer mehr die verbindung zu meinem eigenen wesen. ohne es wirklich zu bemerken, schenkte ich allen anderen mehr aufmerksamkeit als mir selbst. vielleicht wird ein teil davon immer zu mir gehören. ich bin ein sehr interessierter mensch und nehme die gefühle anderer oft tief wahr. und trotzdem haben mir die letzten jahre etwas sehr wichtiges gezeigt. dass in jedem von uns eine ganze welt existiert. eine welt, die lebendig wird, wenn wir ihr genug raum schenken.
für mich ist das malen, schreiben, mich bewegen, träumen, in der natur sitzen, in den himmel schauen oder einfach einmal gar nichts tun. wenn ich mir selbst diesen raum schenke, fühle ich mich verbundener mit mir selbst. kreativer. lebendiger. ruhiger. nicht, weil ich menschen nicht liebe. nicht, weil ich für immer alleine sein möchte.
sondern weil sich das alleinsein für mich wie ein nachhausekommen anfühlt.
weil ich mich dann am meisten mit mir selbst verbunden fühle.
weil ein teil von mir genau dort seine energie wieder auflädt.
vielleicht liebe ich deshalb das alleine reisen so sehr.
vielleicht bedeutet kreativität deshalb so viel für mich.
vielleicht genieße ich deshalb stille, ruhe und momente ohne informationen um mich herum. nichts, das ich aufnehmen muss. nichts, das meine aufmerksamkeit fordert.
vielleicht brauche ich genau diese momente, in denen niemand etwas von mir erwartet und ich einfach nur sein darf.
lange zeit habe ich sicherheit in anderen menschen gesucht. in den letzten jahren habe ich begonnen, eine andere art von sicherheit kennenzulernen. die sicherheit, die entsteht, wenn ich mir selbst vertraue. meinem weg vertraue. und dem leben vertraue.
ich weiß nicht genau, wohin mich mein weg führen wird.
ich weiß nicht, wie meine zukunft aussehen wird.
aber ich weiß, dass ich jedes mal, wenn ich zu mir selbst zurückkehre, dort etwas wunderschönes finde.
und vielleicht ist genau das für den moment genug.